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30 goldene Tipps
Unsere 30 goldenen Tipps haben wir in langer Arbeit zusammen gestellt. Natürlich wissen wir, dass mensch nicht von jetzt auf gleich alle "Verhaltensregeln" beherrschen kann und das verlangt auch keiner. Für manche mögen unsere Tipps auch nicht zutreffen, für viele haben sie sich allerdings schon als äusserst hilfreich erwiesen - Partner und Betroffene übrigens. Es sind einfache Tipps, wie Ihr den Alltag und auch besondere Situationen besser für Euch und die Überlebenden gestalten könnt.

Das allerwichtigste zuerst:

Nimm es nie persönlich!!!

Alles, was du an Reaktionen erleben wirst, sind Folgen des Traumas, ganz egal, wie unerwartet und auch unangemessen sie dir erscheinen werden. Die Ursache für diese Reaktionen liegt in der Vergangenheit und hat nichts mit dir zu tun, auch wenn es manchmal so scheint, weil es dich direkt trifft. Aber versuche, es nicht persönlich zu nehmen, denn das ist es nicht!

1. Sei dir bewusst, dass es schwer sein wird

Eine Beziehung mit einem/einer Überlebenden ist immer schwerer, als eine unbelastete Beziehung.

Sei dir dessen bewusst.

Wenn du glaubst, dem nicht gewachsen zu sein, oder eine "normale" Beziehung mit "normalen" Problemen führen willst oder brauchst, dann gehe keine Beziehung zu einem/einer Überlebenden ein oder brich diese Beziehung ab, denn sie ist weder für dich noch für die/den Überlebende/n gut.

2. Geduld

Du brauchst sehr viel Geduld, denn die Heilung ist ein sehr langer und harter Prozess, für euch beide. Sei geduldig mit ihm/ihr aber auch mit dir selbst. Sage dir immer: Heilung ist möglich!

3. Deine Bedürfnisse und Grenzen

Achte immer darauf, dass du deine Grenzen und Bedürfnisse so weit es geht verwirklichst und umsetzt. Wenn du mal alleine weggehen möchtest, dann tu dir den Gefallen. Wenn du ein Hobby hast, dann nimm dir die Zeit. Aber sprich es mit ihr ab, wenn du etwas tun möchtest.

Du bist nicht der/die Therapeut/in deines/deiner Partner/in und auch nicht dazu da, ständig nur für sie/ihn zu leben.

Du bist ein eigenständiger Mensch, und nur so kannst du genug Kraft haben, dir und ihr/ihm zu helfen. Wenn du mehr gibst, als du kannst, wirst du irgendwann unzufrieden und verärgert werden und eure Beziehung gerät ins Wanken. Äußere deine Bedürfnisse, und sei nicht beleidigt oder mach ihr/ihm Vorwürfe, wenn sie nicht erfüllen können.

4. Deine Gefühle

Drück deine Gefühle dem/der Täter/in gegenüber aus. Schreib einen Wutbrief, nur für dich, mach Sport, bei dem du dich abreagieren kannst, sei kreativ! Auch alle andere Gefühle wie Liebe, Stolz, Hoffnung und so weiter verdienen es, ausgedrückt zu werden. Wenn es dir anfangs noch Schwierigkeiten macht, mach dir nichts draus. Mit ein bisschen Übung geht es. Versuche immer, es nicht hinunter zu schlucken.

5. Sprich mit ihm/ihr über deine Sorgen und Probleme

Wenn sie/er sieht, dass auch du Probleme hast, kann es leichter für sie/ihn werden, über ihre/seine zu reden. Auch und vor allem darüber, was du für Ängste und Verletzungen hast. Das hilft dir und auch ihm/ihr, wenn sie/er sieht, dass da ein Mensch vor ihm/ihr sitzt. Denn das bist du. Du bist genau so ein Mensch mit Sorgen und Problemen, wie sie/er.

6. Hilfe für dich

Es ist wichtig, dass auch du dir helfen lässt, denn es ist auch für dich sehr nervenaufreibend. Aber rede mit ihr/ihm vorher darüber, an wen du dich wendest, und suche dir die Leute genau aus, du musst ihnen vertrauen können, dass sie es nicht überall herumerzählen. Du kannst dir auch andere PartnerInnen suchen, mit denen du dich darüber unterhalten kannst. Das ist oft sogar noch besser, denn sie verstehen deine Probleme im Umgang mit Überlebenden.

7. Auch darfst du dir als Partner therapeutische Hilfe suchen!

Wenn du einen Therapeuten suchst, dann bitte nicht denselben wie dein/e PartnerIn! Zum einen könnte sie/er dadurch befangen sein, weil sie/er glaubt, dass der/die TherapeutIn dir alles erzählen wird, zum anderen kann es passieren, dass der Therapeut befangen ist, wenn er euch beide behandelt. Der/Die TherapeutIn könnte dadurch in einen Gewissenskonflikt geraten. Es gibt auch in der Therapie für deinen/deiner PartnerIn Themen, die dich betreffen, auch sie/er kann Probleme in der Partnerschaft haben.

8. Verstehen und zuhören

Hör ihr/ihm genau zu, versuche, dich hinein zu fühlen. Wenn du selbst nicht betroffen bist, fällt es dir vielleicht schwer, aber mit Geduld und Zuhören schaffst du es. Verständnis ist sehr wichtig. Es geht hier um das hören, was sie/er dir mitteilen will. Frag sie/ihn nicht aus, bedränge sie/ihn nicht. Sei einfach nur da und höre, was sie/er dir sagen möchte.

9. Die Bedürfnisse der/des Überlebenden

Diese können sehr unterschiedlich sein. Geh auf ihre Bedürfnisse ein, soweit es deine Grenzen nicht überschreitet. Wenn sie/er reden will, und du hast Zeit, dann setz dich hin und hör zu. Wenn sie/er kuscheln möchte, und für dich ist das auch in Ordnung, dann kuschelt. Aber respektiere immer ihre/seine Grenzen!

10. Das Wort "danke"

Vielen Überlebenden fällt es schwer, dieses Wort auszusprechen. Deshalb nimm es einfach so hin. Wenn dieses Wort gesagt wird, ist es ein tiefes Bedürfnis, und mach esnicht kaputt, wenn du sagst: "Dafür nicht!" Auch wenn du es als gar nicht für bedankenswert hältst, weil es für dich selbstverständlich ist, für sie/ihn ist es das nicht. Meist kennen Überlebende das Gefühl gar nicht, dass jemand etwas aus freien Stücken für sie/ihn tun möchte. Deshalb: Nimm es einfach so hin und sage vielleicht so etwas wie:

"Für dich immer gern." Und sag es ehrlich.

11. Der Haushalt

Vielen Überlebenden fällt es sehr schwer, neben ihrer/seiner Arbeit an ihrer/seiner Heilung auch noch den Haushalt zu schmeissen. Deshalb möchte ich dir ans Herz legen, im Haushalt mit zu helfen. Geh Einkaufen, sauge Staub, räum mit auf. Und wenn du selbst keine Zeit und Lust oder Kraft dazu hast, nörgle nicht herum sondern akzeptiere es so, wie es dann eben ist. Wenn du ihr/ihm deswegen Vorwürfe machst, ist es für den/die Überlebende/n doppelt schlimm, denn dann kann es passieren, dass sie/er sich unzulänglich fühlt ("ich bin ja doch zu nichts zu gebrauchen, noch nicht mal dasschaffe ich…").

12. Wenn ihr zusammen wohnt: Absprachen treffen

Macht euch am besten einen Haushaltsplan, worin ihr bestimmte Aufgaben verteilt. Sprecht euch ab, wer wann was macht. Vielleicht magst du nicht gern Staubsaugen, aber dein/e Partner/in? Odersie/er hasst Bügeln, dir macht es aber nichts aus? Stellt einen genauen Plan auf. Aber sei nicht böse mit ihr/ihm, wenn sie/er ihre Aufgaben nicht so erledigen konnte, weil es ihr/ihm nicht gut geht. Mach ihm/ihr keine Vorwürfe deswegen. Der Plan ist wichtig für einen geregeltenTagesablauf und hilft, wichtige Dinge im Haushalt nicht zu vergessen. Diskutiert Anschaffungen vorher genau durch, erwägt das Pro und Contra, alles, was euch beide betrifft, muss abgesprochen werden.

13. Wenn er/sie Panikattacken oder ähnliches hat

Spiel es nicht herunter, und mach es nicht schlimmer als es ist. Frag sie, wie du ihr helfen kannst. Am besten bevor es geschieht, und auch wenn es schon passiert ist. Frag sie, was sie braucht. Es kann passieren, dass er/sie einmal eine Schulter zum anlehnen braucht, ein anderes Mal aber allein sein möchte, oder seinen/ihren Teddy braucht. Wenn gar nichts mehr geht, wenn du ihn/sie nicht beruhigen kannst, kannst du auch einfach deine Hand auf den Tisch legen, damit sie/er sie ergreifen kann. Das sagt mehr als tausend Worte. Geh auf ihn/sie ein, versuch, zu verstehen, aber spiel es nie herunter oder gerate selbst inAngst und Panik. Damit kannst du ihr/ihm nicht helfen.

14. Sicherheit

Gib ihm/ihr soviel Sicherheit wie nur möglich!

Erlaube ihr/ihm einen eigenen Raum nur für sich zu haben, soweit dies möglich ist, schaffe Kuschelecken für sie/ihn, triff keine euch beide betreffenden Entscheidungen allein, biete ihm/ihr die Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen und auszudrücken, sei möglichst ruhig und ausgeglichen. Wenn er/sie körperliche Probleme hat, schaffe die Vorraussetzungen, dass er/sie auch helfen kann (im Haushalt beispielsweise).

Natürlich alles in einem Rahmen, der auch für dich möglich und in Ordnung ist, achte auch hier auf deine Grenzen!

15. Nähe

Nähe ist ein sehr empfindliches und kompliziertes Thema in Beziehungen zu Überlebenden. Für sie ist die Nähe etwas sehr Widersprüchliches und auch unberechenbar.

Es ist ungefähr so:

„Komm zu mir aber bleib mir vom Leib"

oder: „Bleib da, komm her".

Vielen Überlebenden macht Nähe Angst, denn der Täter war ihnen emotional sehr nah. Deshalb ist es oft für Betroffene gar nicht wirklich möglich, Nähe zu Menschen aufzubauen, die ihnen viel bedeuten.

Das nimm bitte nicht persönlich, es liegt an ihrer/seiner Vergangenheit.

16. Schuld???

Weder dein/e Partner/in ist schuld an euren Problemen,noch bist du es, der die Schuld trägt. Oft machen sich Partner Vorwürfe, wenn sie/er zum Beispiel bei plötzlichen Bewegungen oder Berührungen zusammenzuckt und Angst bekommt.

Es ist weder deine noch die Schuld deines/deiner Partners/in, sondern die Schuld liegt einzig und allein bei den Tätern/ Täterinnen!!!

17. Vorwürfe

Wirf ihr/ihm nie vor, auf was du alles verzichten musst oder was sie/er nicht schafft!

Das setzt ihn/sie unter Druck und macht nur unnötige und behindernde Schuldgefühle. Sie/Er weiß sowieso, dass ihr schon lange nicht mehr miteinander geschlafen habt oder die Wohnung wieder wie Sau aussieht.

18. Vergessen von wichtigen Dingen

Es kann immer wieder passieren, dass der/die Überlebende wichtige Dinge vergisst. Oft deswegen, weil sie/er zur Zeit an nichts anderes mehr denken kann, als den Missbrauch.

Es ist harte Arbeit, das zu verarbeiten, und da ist es quasi an der Tagesordnung, dass sie vieles vergisst. Ich meine hier Dinge wie Behördengänge, wichtige Telefonate, Erledigungen, manchmal vergisst sie/er sogar das Essen und Trinken, weil es gar nichts anderes mehr gibt als den Mißbrauch.

Versuche, sie/ihn so gut wie nur möglich darin zu unterstützen, indem du sie/ihm daran erinnerst, aber nie vorwurfsvoll oder bemutternd. Sag einfach:„Schatz, hast du heute schon etwas gegessen?Nein? Dann komm, wir essen jetzt zu Abend." Oder: „Meinst du, du schaffst es, morgen den und den anzurufen? Wenn nicht, erledige ich es am Abend." Oder fahr mit ihr/ihm zu den Behörden, setz dich mit ihr/ihm gemeinsam hin und erledige wichtige Anträge.

19. Verhalten in der Öffentlichkeit

Mach sie nicht schlecht vor anderen, oder zeige anderen ihre/seine Schwächen („Der Typ schafft es manchmal echt nicht, morgens früh aufzustehen, höhö…" Oder: „Die Wohnung sieht wieder aus wie Sau!")

Das ist mit das schlimmste, was du ihr/ihm antun kannst.

20. Konflikte und Streit

Auch in Partnerschaften, wo einer oder beide Überlebende sind, sind Konflikte nicht ausgeschlossen, sondern eher noch oft vorprogrammiert. Viele Überlebende haben Angst vor Streit, weil sie glauben, wenn jemand mit ihnen streitet, werden sie nicht mehr geliebt, oder haben Angst vor lauten Stimmen. Es gibt noch mehr Gründe, die mir jetzt aber nicht einfallen.

Aber wir haben ein paar wichtige, bewährte und durchaus allgemeingültige „Verhaltensregeln" bei Streit:

· ruhig und sachlich bleiben
· nicht laut werden
· schreit euch nicht an
· Beleidigungen, Erpressungen, Drohungen von Gewalt, Verlassen und sonstige Androhungen sind absolut tabu!
· wilde Gesten vermeiden, das könnte sie/ihn in Angst versetzen
· sich gegenseitig ausreden lassen
· genau zuhören, was der andere sagt, und geht darauf ein
· nie verallgemeinern, bezieht euch nur auf das eine Problem in der jeweiligen Situation

21. Loben

Lobe sie/ihn für alles, was dir auffällt, was er/sie schon lange nicht mehr geschafft hat. Auch bei noch so kleinen Fortschritten ist es wichtig, dass du ihr/ihm zeigst, dass du es bemerkst. Vielleicht ist es ihr/ihm noch gar nicht aufgefallen? Zeig ihr/ihm, dass du stolz auf sie/ihn bist, das macht es ihr/ihm leichter, auch stolz auf sich selbst zu sein.

22. Körperliche Nähe und Sex

Hier liegt eine sehr große Fehlerquelle, denn gerade dieser Bereich ist für Betroffene sehr problembehaftet. Achte immer darauf, was er/sie möchte, und setze sie/ihn nie unter Druck. Fordere nie von ihr/ihm oder tue gar etwas, was sie/er nicht will oder kann, aus welchen Gründen auch immer.

Es kann immer passieren, dass sie/er aufhören möchte, wenn es gerade für dich am schönsten ist. Wirf es ihr/ihm nicht vor, sondern respektiere und akzeptiere es. Oft sind dies Panikattacken, ausgelöst durch Flashbacks (Erinnerungsblitze), und es hilft ihr nicht, wenn du es herunterspielst oder ihr orhältst.

Frag sie/ihn, was er/sie jetzt braucht, rede mit ihr/ihm, frag sie/ihn, was der Auslöser war, aber hake nicht nach, wenn sie es nicht aussprechen kann. Ihr könnt auch Zeichen verabreden, mit denen sie/er dir sagt, dass es ihr/ihm zuviel wird oder er/sie droht, auszusteigen. Es kann ein Wort sein, eine Bewegung von ihm/ihr.

Rede auch mit ihr/ihm über deine Bedürfnisse, deine Wünsche und natürlich auch über ihre/seine Vorstellungen. Kommunikation ist hier das beste, was ihr machen könnt.

Und wenn sie/er nicht darüber reden kann, hilft vielleicht aufschreiben, oder er/sie zeigt dir anhand eines Buches, was sie mag und was nicht.

23. Vertrauen

Überlebende sind häufig nicht mehr in der Lage zu vertrauen, und dieses verloren gegangene Vertrauen muss nun langsam wieder aufgebaut werden.

Sätze wie: „Du kannst mir vertrauen." nützen nichts. Das kann er/sie nicht einfach so, es muss gelernt werden. Wenn es so einfach wäre, hätte er/sie es schon längst getan. Du musst dir bewusst werden, in welchen Bereichen du vertrauenswürdig bist und in welchen nicht.

Sei dabei ehrlich zu dir selbst.

Bist du pünktlich?

Kann man sich auf dein Wort verlassen, wenn du etwas versprichst?

Ihr könnt das Vertrauen aufbauen, indem du ihm/ihr konkrete Angebote machst wie:

„Ich gieße deine Blumen, wenn du ihm Urlaub bist. Du kannst mir genaue Anweisungen geben, was jede Pflanze braucht, und ich werde mich daran halten."

Oder: „Du kannst mir vertrauen, wenn ich dir anbiete, dir den Rücken zu massieren, und ich nicht versuche, dich zu verführen."

Wann immer du ihr/ihm etwas versprichst, achte darauf, dass du es hundertprozentig einhalten kannst und auch einhältst. Das wird sie/ihn beeindrucken.

Wenn du das immer wieder tust, schaffst du Vertrauen.

24. Kontrolle

Du hast vielleicht den Eindruck, dass sie/er immer über alles die Kontrolle haben will. Welchen Film ihr euch anschaut, was es zu Essen gibt, die Erziehung der Kinder, einfach alles. Manchmal ist es offensichtlich, manchmal nicht, zum Beispiel wenn schlechte Laune oder mangelndes Interesse vorgeschoben wird. Sei dir klar darüber, dass du es hier mit einem Überlebensmuster zu tun hast, welches absolut lebenswichtig für deine/n Partner/in war. Auch das hat nichts mit dir zu tun.

Das lässt sich nur langsam ändern. Teile ihm/ihr deine Bedürfnisse mit und frage sie/ihn, wie ihr das umsetzen könnt. Auch wenn es nicht immer sofort geht. Meist ist Angst oder eine Krise die Ursache für dieses übermäßige Kontrollverhalten. Ober wenn ihr darüber redet und sie/er versuchen möchte, auch mal die Kontrolle dir zu überlassen, kann es sich ändern.

25. Wenn du mit dem/der Täter/in verwechselt wirst

Oft passiert es, durch eine Geste, ein Wort, größere Nähe, sexuelle Leidenschaft, Zorn und so weiter, dass du mit dem Mißbraucher verwechselt wirst. Sobald du merkst, dass ihre/seine Reaktionen sich nicht mehr auf dich, sondern auf den Täter beziehen, hak sofort ein, frage sie: „Wo bist du gerade?" oder: „Was ist los? Hat dich etwas erschreckt?"

Wenn ihr die Auslöser kennt, fällt es euch leichter, Gegenwart und Vergangenheit zu unterscheiden, und auch das ist sehr wichtig für ihre/seine Heilung. Du kannst nicht verhindern, dass du dich manchmal so verhältst wie der Täter, und damit meine ich Gesten oder Bewegungen.

Du kannst aber verhindern, dass du dich verhältst wie ein Täter. Sei nie gewalttätig, zwinge die/den Überlebende/n nie, etwas zu tun, was sie nicht möchte!

26. Die Familie der/des Überlebenden

Die Gefühle der Überlebenden ihrer/seiner Familie gegenüber können sehr vielschichtig und ambivalent sein. So kann er/sie die Mutter immer noch lieben, obwohl er/sie von ihr gequält oder nicht beschützt wurde. Vielleicht war auch der Bruder, der sie/ihn missbrauchte, selbst Opfer eines Missbrauchs. Es ist sehr kompliziert und sie/er findet sich nur schwer darin zurecht.

Auch deine Gefühle ihrer/seiner Familie können sehr vielschichtig sein. So kann der Täter jemand sein, den du respektierst, oder du kannst es dir nur sehr schwer vorstellen, dass gerade dieser Mann, diese Frau deine/n Geliebte/n so schwer missbraucht haben soll.

Es ist sehr wichtig, dass du den/die Täter/in nie in Schutz nimmst vor deinem/deiner Partner/in! Wenn du andererseits so voller Zorn dem/der Täter/in gegenüber bist, dass du sie/ihn umbringen könntest, rede mit jemandem, drück deinen Zorn aus, aber achte darauf, dass du der/dem Überlebenden nicht den Raum für ihre/seine eigene Wut nimmst. Dein Zorn kann hilfreich sein und das Aufkommen ihres/seines eigenen Zornes beschleunigen.

Manchmal ist es auch schwer verständlich für Partner/innen von Überlebenden, dass die Überlebenden den Kontakt zu der Familie und zu den Tätern aufrecht erhalten will. Letztendlich ist es aber ihre/seine Entscheidung, die du respektieren solltest. Du musst aber selbst entscheiden, ob und welche Rolle du dabei spielen willst/kannst. Wenn du absolut nicht damit leben kannst, die Täter zu sehen, dann halte auch den Abstand. Wahre deine eigenen Grenzen.

Wenn aber die/der Überlebende den Kontakt abbricht, musst du dich ihm/ihr anschließen, da sonst bei ihr/ihm der Eindruck entstehen kann, dass du Partei für den/die Täter ergreifst.

27. Was gut und richtig ist

Auch wenn es zur Zeit nicht so aussieht, ihr Probleme habt, in einer Krise steckt usw., sei dir bewußt, was ihr alles schönes miteinander teilt, was gut ist und was in eurer Beziehung richtig läuft.

Und sage das auch ihr/ihm. Vergiss nicht, dich an dem zu freuen, was du hast. Auch wenn er/sie nicht bei dir ist, weil sie/er nicht mit dir zusammenwohnt, kannst du dir ein inneres Bild von ihm/ihr schaffen, ein Bild eines gesunden, lebendigen Menschen.

Von sexuellem Missbrauch zu heilen, ist eine Heldentat, und der/die Überlebende verdient deinen Respekt, dein Vertrauen und deine Bewunderung.

28. Das Positive für dich

Die Heilung deines/deiner Partners/in kann sich auch auf dich positiv auswirken. Es mag verrückt klingen, aus dem Leid und dem Schmerz, den dein/e Partner/in durchlebt positives zu ziehen, aber es gibt durchaus auch positive Aspekte.

So kannst du zum Beispiel für dich lernen, deine Gefühle kennen zu lernen und auszudrücken, auch deine Grenzen auszutesten.

Die Zusammenarbeit an der Heilung kann euch näher zusammenbringen und die Beziehung stabilisieren.

29. Was tun, wenn er/sie in einer akuten Krise steckt?

· Hör zu Setz dich zu ihr/ihm und lass sie/ihn reden
· Versuch zu verstehen Zeig soviel Mitgefühl wie du kannst
· Frag sie/ihn, was er/sie braucht Sei besonders lieb zu ihr/ihm
· Ignorier sie/ihn nicht einfach Gib ihren/seinen Gefühlen Raum
· Versuch nicht, zu beschwichtigen und zu lindern
· Beruhige sie/ihn. Sag ihr/ihm, dass ihre/seine Gefühle richtig und wichtig sind
· Lass dir selber helfen, wenn du merkst, dass es dir an die Nieren geht
· Sei geduldig
· Entlaste sie, wann immer du kannst Übernimm zusätzliche Aufgaben im Haushalt, koch ihr was zu essen, kümmer dich mehr um die Kinder

30. Das LEBEN nicht vergessen!

Achte darauf, dass ihr beide das Leben nicht vergesst! Erinnere sie/ihn daran, zu leben! Geht aus, spielt Spiele, trefft euch mit Freunden, habt Spaß, rauft euch spielerisch, macht eine Kissenschlacht, legt eine Kitzelstunde ein, alles, was euch einfällt, könnt ihr tun.

Aber achtet dabei immer auf eure Grenzen!

Wenn etwas nicht geht, dann lasst es.

Hier ist besonders der/die Überlebende angesprochen.
Passt auf euch auf!

Quelle: www.hilfe-fuer-partner.de


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