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Psychoanalyse
Unter Psychoanalyse

werden verschiedene Konzepte zur Untersuchung seelischer Vorgänge sowie Untersuchungen verschiedener Phänomene der kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung zusammengefasst. Sie hat ihre Wurzeln in der Naturwissenschaft, Medizin, Philosophie und Kunst.

Definition

Die Psychoanalyse ist :

ein von Sigmund Freud entwickeltes Untersuchungsverfahren seelischer Vorgänge mit dem Ziel, die nicht bewusste Bedeutung von Worten, Handlungen und Vorstellungen zu ergründen.

eine Therapiemethode psychischer Störungen. Im Rahmen der klassischen Therapie nach Freud, auch Psychoanalyse oder Analyse genannt, wird versucht, die Widerstände, Übertragungen oder geheime Wünsche des Patienten durch Deutung offenzulegen, bewusst zu machen und damit einer möglichen Veränderung zugänglich zu machen.
Dies findet im Rahmen einer sich entwickelnden Beziehung im Verlauf der Therapie statt, die Freud selbst nicht systematisch in seinen Theorien berücksichtigte, die jedoch praktisch immens bedeutsam ist.

ein mehrschichtiges System von Theorien über Auswirkungen unbewusster psychischer Abläufe auf das Fühlen, Denken und Handeln von Menschen. Die Bausteine dieser Theorien stammen aus der Untersuchung seelischer Vorgänge und der Therapie psychischer Störungen.

Die Traumatheorie

Nicht nur in der Behandlung, auch in der theoretischen Erklärung für psychische Erkrankungen vollzieht Freud nach der Frühphase der Psychoanalyse eine tiefgreifende Änderung. So hat er vor ca. 1897 die so genannte Traumatheorie verfochten. In seiner Praxis kamen im Laufe der Behandlung eine große Anzahl von sexuellen Missbrauchsgeschichten zum Vorschein.
Freud vertrat unter dem Eindruck der überaus zahlreichen Berichte von Patienten, die solche Erfahrungen gemacht hatten, eine Zeitlang die Theorie, dass die psychischen Erkrankungen hauptsächlich auf psychosexuelle Traumatisierungen zurückzuführen seien. In allgemeiner Form nennt man die Erklärung für psychische Erkrankungen aus so genannten Traumatisierungen (nicht nur sexueller Art) die Traumatheorie.

Vielfach werden heute zwei Formen von schädigenden Erfahrungen in der Kindheit angenommen:

1. Traumatische Erfahrungen, das heißt: einzelne oder wiederholt vorkommende Erfahrungen und Erlebnisse, die durch Inhalt und Schwere für das Kind nicht verarbeitbar sind (z.B. die Erfahrungen schwerer körperlicher Misshandlungen). Das führt zu den so genannten Traumata-Neurosen.
2. Die eher schleichenden Dauerschädigungen durch das Milieu (zum Beispiel Familien, in denen über Gefühle nicht geredet wird, Familien in schwierigen sozialen Verhältnissen, Armut usw.) führen zu so genannten Milieuneurosen.

Methoden der therapeutischen Psychoanalyse

Generell geht die Psychoanalyse davon aus, dass schwere, unverarbeitbare Erfahrungen in der Kindheit verdrängt werden müssen, weil die kindliche Persönlichkeit anderenfalls darunter zusammenbrechen würde.
Kein Kind kann zum Beispiel längere Zeit ertragen, von Elternteilen nicht geliebt oder gar teilweise gehasst zu werden.
Die Psychoanalyse verspricht sich Heilung von der Bewusstmachung des Verdrängten, oder wie Freud es ausdrückte: "Wo Es war, soll Ich werden." Verdrängte Erfahrungen sind einer Bearbeitung und Verarbeitung durch das Bewusstsein entzogen und können nicht in die Persönlichkeit integriert werden.
Dies soll in der Analyse allmählich und unter gleichzeitigem persönlichen Wachstum und persönlichem Erstarken, unterstützt von der menschlichen Hilfe der Analytiker, nachgeholt werden.
Teilweise muss Trauerarbeit nachgeholt werden, alte Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster müssen, nachdem sie als Teil der persönlichen Geschichte erkannt wurden, durch neue ersetzt oder ergänzt werden. Teilweise heilt die Psychoanalyse auch dadurch, dass in der Beziehung zum Analytiker neue, korrigierende Erfahrungen gemacht werden, zum Beispiel, in dem in der Analyse zum ersten Mal die Erfahrung einer konstanten, unverbrüchlichen und haltgebenden zwischenmenschlichen Beziehung gemacht wird.
Oder an der Person des Analytikers wird erlebt, dass verselbständigende und Abgrenzungs-Tendenzen keine negativen Reaktionen nach sich ziehen. Oder, dass die Person des Psychoanalytikers jemanden darstellt, der mit erotischen Anteilen einer Beziehung umgehen kann usw.

Unverarbeitete Anteile einer Lebensgeschichte oder Defizite an Nähe und Wärme schränken die Persönlichkeit ein und/oder führen zu unangemessenen Verhaltensmustern. Oft kommt es auch zu dem so genannten Wiederholungszwang. Freud erkannte, dass wir manche für uns kritischen und unverarbeitbaren Situationen unbewusst immer wieder herstellen (inszenieren), in der gleichfalls unbewussten Hoffnung, dieses Problem doch noch zu lösen.
So sucht sich eine Frau, die als Kind unter ihrem kalten, unnahbaren Vater gelitten hat, oft wieder unbewusst eine solchen Ehemann aus und wiederholt mit ihm die alten Kämpfe und Konflikte. Manchmal projiziert sie auch nur diese Merkmale auf ihren Mann und bringt ihn auf unterschwellige Weise dazu, sich so uneinfühlsam wie früher ihr Vater ihr gegenüber zu verhalten. Oft ergänzen sich solche Muster bei Paaren auch auf unheilvolle Weise und führen zu einer Dynamik, aus der die Paare alleine nicht mehr herausfinden.

Eine andere Möglichkeit, wie sich solche Erfahrungen niederschlagen können, sind zum Beispiel Depressionen.
Im Verständnis der Psychoanalyse sind Depressionen das Ergebnis von Beziehungsverlusten oder Beziehungsabbrüchen in der Kindheit, die aber nicht in der Schwere des Verlusts gefühlt und betrauert werden konnten, d. h. mit anderen Worten partiell geleugnet werden. Das kann zum Beispiel bei der Geburt eines jüngeren Geschwisters passiert sein, wenn sich die Eltern teilweise oder ganz von dem älteren Kind abwendeten, und niemand Augen für dessen Trauer und Wut hatte und ihm durch Verständnis und Zuwendung half, diese Situation zu verarbeiten.
Manchmal können solche Depressionen auch erst aufbrechen, nachdem in der gegenwärtigen Lebenssituation ein Verlust durchzumachen war, bei dem unbewusst wieder die 'alte Wunde' aufbrach.

Das Setting

Die sog. klassische Psychoanalyse findet im Liegen statt, wobei der Analytiker außerhalb des Blickfeldes seines Analysanden saß. (Bei anderen Formen, z.B. der Fokaltherapie sitzen sich beide gegenüber.)
Der Grundgedanke der Psychoanalyse ist, dass der Analytiker als Persönlichkeit möglichst im Hintergrund bleibt, quasi eine weiße Wand, auf die der Patient alle seine frühen Beziehungspersonen, wie Vater, Mutter und Geschwister projizieren kann. Das macht der Patient in der Regel nicht absichtlich oder freiwillig, sondern unbewusst und automatisch.
So erscheint der Analytiker zum Beispiel einmal unkonzentriert und wird dadurch zum Vater, der einem nie zugehört hat und sowieso kein Interesse an einem hatte. Die ursprüngliche Wut gegen den Vater richtet sich nun gegen den Analytiker(-Vater) und kann so vielleicht zum ersten Mal wirklich erlebt und gefühlt werden, weil die bedrohliche Aggressivität des tatsächlichen Vaters dies früher eventuell unmöglich gemacht hat. Ein anderes Beispiel wäre, dass dadurch, dass der Analytiker auf pünktlichem Stundenende besteht, er als versagende Mutter erlebt wird. Oder der Patient erlebt stürmische Verliebtheit in seinen Analytiker, was eine ödipale Situation wiederbelebt usw. Diesen Vorgang der Verschiebung auf den Analytiker nennt die Psychoanalyse Übertragung.

Die Übertragung

Den Vorgang des Hineinlegens früher Beziehungspartner und früher Beziehungserfahrungen in den Analytiker nannte Freud die Übertragung. Diese Übertragung ist zentraler Baustein einer jeden Analyse und wichtiger Bestandteil der Beziehung zwischen Analytiker und Analysand. Ein Beispiel: es können möglicherweise bei einem Analysanden frühe Erfahrungen der Geschwisterrivalität wiedererweckt werden durch einen weiteren Patienten, dem er im Wartezimmer begegnet oder der angesichts eines bevorstehenden Stundenendes gar ungeduldig an die Tür des Behandlungszimmers klopft und so die Stunde des Analysanden stört. Der Mitpatient wird dann vielleicht als verdrängendes Geschwister und der Analytiker als treuloser Beziehungspartner erlebt.
Das kann sich zum Beispiel in heftigen Angriffen gegen den Analytiker äußern, der solchem Verhalten von Seiten des Mitpatienten nicht in ausreichendem Maße einen Riegel vorschiebe usw. Solche und generell Alltagssituationen, die in den Stunden besprochen werden, erlauben es oft, frühe Erfahrungen in Zusammenarbeit mit dem Analytiker wiederzubeleben und neu zu verarbeiten.

Man unterscheidet positive und negative Übertragung.
Bei der positiven Übertragung werden positive Anteile früherer Beziehungen auf den Analytiker projiziert, bei der negativen Übertragung negative Anteile.

Die Gefühle und Vorstellungen, die der Analytiker wiederum als Reaktion auf das Verhalten der Patienten bekommt, nennt man die Gegenübertragung des Analytikers. In unserem Beispiel kann sich unser Analytiker vielleicht einen Moment lang völlig unzulänglich, nachlässig und treulos fühlen, so wie der Patient früher seine Eltern erlebt hat. Der Analytiker sollte in seiner eigenen Analyse bzw. Lehranalyse gelernt haben, eigene Gefühle und Vorstellungen von durch Patienten erzeugten Gefühlen und Vorstellungen zu unterscheiden, um angemessen damit umgehen zu können, statt mit dem Patienten unbewusst mitzuagieren.

Wenn der Patient im Analytiker aktuell vor allem Züge von sich selbst sieht, spricht man von einer Spiegelübertragung.
Von komplementärer Gegenübertragung spricht man, wenn der Analytiker sich in der Rolle des früheren Beziehungspartners des Analysanden wahrnimmt, zum Beispiel in der Vater- oder Mutterrolle.
Von konkordanter Gegenübertragung oder Spiegelgegenübertragung spricht man, wenn in einer Therapiesituation sich der Therapeut mit der Rolle und dem Erleben des Patienten identifiziert, sich in diesen hineinversetzt und das Erleben des Patienten nachempfindet.

Das freie Assoziieren

Die psychoanalytische Grundregel und das freie Assoziieren:
Freud hat eine so genannte Grundregel aufgestellt, die dem Patienten zu Beginn der Behandlung mitgeteilt werden soll, nämlich, dass er alles, was ihm in den Stunden einfällt, mitteilen soll, auch wenn er es für bedeutungslos hält oder sich seiner Gedanken schämt.
Er solle seine Gedanken nicht hemmen, sondern ihnen freien Lauf in jedwede Richtung lassen, was Freud das freie Assoziieren nannte.
Freud nahm an, dass sich in dieser Form verkleidetes, unbewusstes Material äußere, und man es so für die Behandlung nutzbar machen könne. Da unbewusste Inhalte zunächst einmal als bedrohlich, peinlich oder schmerzhaft empfunden werden, setzt das Unbewusste des Patienten dem Aufdecken dieser Inhalte einen Widerstand entgegen, ein weiterer wichtiger Begriff in der Psychoanalyse.
Der Therapeut geht zu Beginn der Behandlung mit dem Patienten ein so genanntes Arbeitsbündnis ein, d.h. der Patient stellt seinen Wunsch zur Gesundung, seine gesunden Persönlichkeitsanteile und seine Kooperationsbereitschaft mit dem Analytiker in den Dienst der gemeinsamen Aufgabe. Überspitzt gesagt wird das Verdrängte als der gemeinsame Feind von Patient und Therapeut angesehen, dem man mit vereinten Kräften zu Leibe rückt. Gerade die gemeinsame Beziehung wird aber durch unbewusste Konflikte immer wieder gefährdet, deshalb ist die Allianz zwischen Patient und Therapeut immer nur teilweise verlässlich und gleichzeitig ist diese Beziehung der Punkt, wo die Werkzeuge der Psychoanalyse wirksam angesetzt werden können, und wo exemplarisch die ursprünglichen Konflikte aufgearbeitet werden können.
Das Übertragen alter Konflikte auf die therapeutische Beziehung nennt man, bezogen auf einzelne Störungen, auch die Übertragungsneurosen, d.h. die Lebensneurosen werden in der Behandlung zu Übertragungsneurosen.
So können sich manchmal schon durch diesen Prozess Alltagsbefindlichkeiten verbessern, weil der Druck der Störung aus dem Alltag etwas herausgehalten werden kann und stattdessen seinen Raum in der Beziehung zum Therapeuten findet.
Das Problem ist mit diesem ersten Schritt aber keinesfalls schon gelöst.

Weitere Entwicklungen der Psychoanalyse

Die Kritik an der Psychoanalyse muss sich häufig ihrerseits den Vorwurf gefallen lassen, dass sie sich auf einen längst nicht mehr aktuellen Stand ihrer Theoriebildung bezieht.
Der häufige Vorwurf einer einseitigen Zentrierung der Psychoanalyse auf die Sexualität ist wenn überhaupt vielleicht bis in die fünfziger Jahre gültig. Jedoch schon zuvor und bis heute hat sich das psychoanalytische Theoriemodell ständig modifiziert und erweitert.
Wesentliche Erweiterungen und eigenständige Entwicklungslinien innerhalb der Psychoanalyse sind:
- die Psychoanalytische Ichpsychologie
- die kleinanische Schule
- die Objektbeziehungstheorie
- die psychoanalytische Selbstpsychologie
- der intersubjektive Ansatz
- die relationale Psychoanalyse.


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