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Psychodrama
In Psychodrama-Gruppen werden gegenwärtige und vergangene Konflikte, die in die Gegenwart hereinreichen, Wünsche, Phantasien, Träume und Gefühle aus dem Stegreif "gespielt", also gelebt und wirklich gemacht.
Wer sich auf das Spiel einlassen kann, "schaltet" damit, jedenfalls zum Teil, "seinen Kopf ab", also festgefahrene Vorstellungen, Werturteile, rationale Blockierungen von Gefühlen. So können verdrängte Gefühle im Spiel hochkommen, unbewußte Erfahrungen und Konflikte der Kindheit bekommen im Spiel plötzlich Gestalt, werden wiedererlebt und bewältigt.

Die klassischen Bestandteile des Psychodramas sind der Protagonist, die Bühne, der Leiter, die "Hilfs-Ichs" = Antagonisten, die Techniken und die Gruppenmitglieder. Der Protagonist - also das Mitglied der Gruppe, das an seinen Problem arbeiten will - schildert die Szene, beispielsweise: Er steht als Zehnjähriger vor seinem Vater, der ihn anbrüllt, Mutter, Bruder und Schwester stehen dabei. Er wählt seine Mitspieler, die Antagonisten, die seine Familienmitglieder darstellen sollen. Bühne ist der Gruppenraum, das Publikum sind die restlichen Gruppenmitglieder. Der Gruppenleiter hilft, indem er Möglichkeiten und Techniken anbietet, wie das Problem am besten gespielt werden könnte.

Eine derwichtigsten Techniken ist der Rollentausch.
Das könnte in diesem Fall so aussehen, dass der Protagonist nacheinander nicht nur seine eigene, sondern auch die Rollen der anderen Familienmitglieder durchspielt. Man kann auch bei einem aktuellen Konflikt, z.B. zwischen zwei Gruppenmitgliedern, die Rollen tauschen: Man übernimmt die Rolle seines Gegenspielers, versetzt sich in dessen Lage, und umgekehrt. Dadurch ergibt sich oft ein plötzliches, gefühlsmäßiges Verstehen, sowohl des anderen als auch der eigenen Gefühle und Reaktionen.

Je nachdem, was an Gefühlen und Erinnerungen wachgerufen wird, kann die Szene auch wechseln. Meist durchlebt der Protagonist starke Gefühle, die er verdrängt hatte und die durch das Spiel wieder bewußt geworden sind. Das hat eine kathartische (reinigende) Wirkung, die den Weg für Verstehen und Erkennen der eigenen Person und der anderen wie auch dessen, was man anders machen könnte, freimacht. Diese neue Möglichkeit sich zu verhalten, wird dann vielleicht in einem Abschlußspiel erprobt. Auf das Spiel folgt ein Gruppengespräch. Andere Gruppenmitglieder sagen dem Protagonisten, wie sie ihn erlebt haben, und sprechen über eigene, ähnliche Erfahrungen. Das gibt ihm - und natürlich auch den anderen - das Gefühl, mit den eigenen Problemen nicht allein zu sein. Die Antagonisten erzählen, wie sie sich in ihren Rollen fühlten. Damit ist das Spiel nicht nur für den Protagonisten, sondern für alle Gruppenmitglieder eine intensive Gefühlserfahrung. So hat Moreno mit dem Psychodrama schließlich doch das erreicht, was im Stegreiftheater in der Wiener Maysedergasse zunächst mißglückt war: Ein spontanes, kreatives, lebendiges Zusammenspiel aller. "Die totale Produktion von Leben" hat er es einmal genannt.

Therapeutische Methoden im Psychodrama

Die psychodramatische Methode wurde als "Aktionsmethode" oder als "Antithese zur Psychoanalyse" begründet. Ihre integralen Bestandteile sind:
1. Soziometrie = Erfassung und Darstellung vor allem der informellen Tiefenstruktur (sozio-emotionale Beziehungen).
2. Gruppenpsychotherapie = therapeutische Gemeinschaft, in der den im Hier und Jetzt ablaufenden Gruppenprozessen genau so viel Beachtung geschenkt wird, wie der Behandlung individueller Probleme.
3. Psychodrama = spontane szenische Darstellung interpersoneller und intrapsychichischer Vorgänge/Konflikte, um sie sichtbar, wiederbelebbar und damit veränderbar zu machen.

Anwendungsbereiche des Psychodramas: Kliniken, Beratungsstellen, Praxen

Häufigstes Anwendungsfeld ist die Psychotherapie: Kinder-, Jugendlichen- und Erwachsenenpsychiatrie, Suchttherapie, Therapie von Neurosen und psychosomatischen Erkrankungen, Familien- und Partnertherapie.
Auch in Selbsterfahrungsgruppen findet Psychodrama Anwendung. Themen können sein: Sexualität, Aggression, Abschied, Trauer, Tod, Religion und Artverwandtes, Partnerschaft, Familie, Beruf u.a. mehr.

Theorie

Der Mensch ist Handelnder in seiner durch Raum, Zeit, Realität und Kosmos konstituierten Lebenswelt, er steht in seinem zwischenmenschlichen Beziehungsgeflecht = soziales Atom und in seinen Interaktionen, die in Wechselwirkung mit Spontaneität und Rollenausübung sind. Kreativität ist notwendig zum konstruktiven Problemlösen ebenso wie Spontaneität und Einfühlungsvermögen in die eigene Person und in den Interaktionspartner.
Diese Fähigkeiten, die entwickelt werden können, machen möglich, dass Begegnung stattfindet; sie ist das tragende existentielle Prinzip des Psychodramas: Der Gegensatz zwischen Subjekt und Objekt ist aufgehoben.
Die szenische Darstellung der "imaginären Realität" bedeutet: Situationen, die an eine(n) andere(n) Ort/Zeit/Bezugsperson(en) gebunden sind, im therapeutischen Setting hier und jetzt gegenwärtig zu setzen und sie damit der unmittelbaren Anschauung, dem Wiedererleben und der Behandlung zugänglich zu machen.
Die vertiefte und gleichzeitig erweiterte Begegnung mit sich selbst und mit anderen kann zu kathartischen Prozessen führen, d.h. zu reinigenden Entladungen gestauter, oft sogar bis dahin verdrängter Affekte oder zu neuen Erkenntnissen.


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