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Täter / Innen Strategien
Einleitung

Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen von Sexualstraftätern und über Täterstrategien zeigen sehr deutlich, dass sexueller Missbrauch in der Regel sehr sorgfältig von den Tätern und Täterinnen im vornherein geplant und entsprechend vorbereitet wird. Der triebgesteuerte, spontan agierende Täter ist ein gefährlicher Mythos! Das Wissen um die entsprechenden Strategien bildet eine wichtige Voraussetzung für Präventionsprogramme und zur wirksamen Bekämpfung der Täter und Täterinnen (z.B. im Strafprozess). Gleichzeitig ist dieses Wissen auch unentbehrlich für TherapeutInnen und MitarbeiterInnen aus Beratungsstellen. Teilweise spiegeln sich in den Folgeschäden von Opfern die Strategien der Täter und Täterinnen wider (z.B. durch die gezielte Vermittlung von Schuldgefühlen durch die Täter und Täterinnen, um das Schweigegebot der Kinder aufrechterhalten zu können)

Anita Heiliger untersuchte die Täterstrategien (nur männliche Täter und nur weibliche Opfer!) an Hand einiger befragter Frauen, die in ihrer Kindheit sexuell missbraucht wurden.

Die Berichte der Betroffenen lassen fünf aufeinanderfolgende Schritte erkennen, mit denen die Täter langfristig ihre Strategien aufbauten, um an das Kind heranzukommen und es zu missbrauch (Heiliger, 2000, S. 53):

1. Bedingungen schaffen bzw. suchen und nutzen, die einen sexuellen Missbrauch ermöglichen.
2. Die Annäherung an das Opfer ermöglichen und sexualisierten Zugang zum Kind herstellen.
3. Den Zugang zum Opfer, dauerhafte Gefügigkeit und Verfügbarkeit des Kindes absichern, Widerstand entkräften und ausschalten.
4. Die Mütter bzw. mutterähnliche Personen manipulieren, um sie in ihrer Wahrnehmung zu verwirren und ihre Duldung des Missbrauchs zu erreichen.
5. Hilfen durch andere Personen ausschalten, Entdeckung und strafrechtliche Verfolgung verhindern, um dasselbe Kind längerfristig oder weitere Kinder sexuell missbrauchen zu können.

Vorbemerkung:

Um den Rahmen nicht zu sprengen, habe ich einige Beispiele und Textpassagen im folgenden Text weggelassen. Eigene Ergänzungen bzw. Verkürzungen mit eigener Wortwahl habe ich in kursiver Schrift dargestellt! Die Quelle steht am Ende.

Kontaktaufnahme der Täter und Täterinnen

• Entscheidung für eine berufliche Tätigkeit im pädagogischen, medizinischen oder therapeutischen Bereich oder in Arbeitsfelder, in denen sie leicht mit Mädchen und Jungen in Kontakt kommen.
• Ehrenamtliches Engagement, z.B. Jugendgruppenleiter, Sporttrainer, Gerätewart im Sportverein
• Gezielte Suche einer alleinerziehenden Partnerin - "der Kinder wegen". Ray Wyre berichtet auf der Basis seiner langjährigen Erfahrung in der Behandlung von Tätern, dass einige Täter Monate darauf verwenden, eine Beziehung zu einer Mutter aufzubauen, sie sogar zu heiraten, um Zugang zu ihren Kindern und deren Freundinnen und Freunden zu bekommen (Wyre / Swift 1991, 75)
• Anita Heiliger zeigt durch Auswertung von Gerichtsakten und Interviews mit als Kind sexuell missbrauchten Frauen auf, "dass es pädokrime Täter gibt, die eine Frau mit dem Ziel heiraten, ein Kind zu zeugen, dass sie später missbrauchen können. Frauen, die eine entsprechende Ahnung haben, sollten diese nicht als absurd abtun, sondern als mögliche Realität begreifen". (Heiliger, 2001, S. 172)
• Aufsuchen von Orten, an denen sich Mädchen und Jungen oft aufhalten
• Aufbau und Angebot von Schulaufgabenhilfen, Freizeitangeboten und Babysitterdiensten - besonders in sozialen Brennpunkten oder in Nachbarschaftsbezügen
• Mädchen und Jungen als "Schlepper" einsetzen, d.h., Mädchen und Jungen werden dafür bezahlt oder mit Gewalt gezwungen, als "Schlepper" ihre kleinen Freunde und Freundinnen "anzuwerben".
• Sich als Freund der Familie anbieten
• Kontaktaufnahme über neue Medien (Internet)
• Sextourismus

Auswahl der Opfer

Nach einer ersten Kontaktaufnahme mit Mädchen und Jungen sondiert ein Täter erst einmal die Widerstandsfähigkeit seines potentiellen Opfers. Täter/Täterinnen suchen gezielt möglichst widerstandsgeschwächte Mädchen und Jungen. Es ist bekannt, dass auch "wohlbehütete" Kinder, die sehr offen auf Menschen zugehen und Körperkontakt gewöhnt sind, potentielle Opfer darstellen. Grundsätzlich gilt der Satz für alle Kinder: Sicherheit ist eine Illusion! Von verschiedenen AutorInnen und Opfern ist immer wieder zu lesen, dass Täter über einen "sechsten Sinn" zu verfügen scheinen. Sie spüren sehr genau, welches Kind als potentielles Opfer in Frage kommt und gehen mit einem unglaublichen psychologischen Geschick vor (auch in Bezug auf Dritte oder in strafrechtlichen Prozessen).

"Testrituale" der Täter und Täterinnen

Nach der Kontaktaufnahme mit potentiellen Opfern wenden Täter immer wieder "Testrituale" an, um die Widerstandsfähigkeit des potentiellen Opfers zu prüfen und dessen Wahrnehmung zu vernebeln. Protestiert ein Kind, so ist es aus Tätersicht oftmals "kein geeignetes Opfer".

Typische Testrituale sind u.a.

• Scheinbar "zufällige" sexuelle Berührungen (z.B. im Rahmen von Zauber-, Tobe-, Kitzel-, oder Doktorspielen), scheinbar "zufällige" sexuelle Grenzüberschreitungen ohne Körperkontakt.
• Sexistische Qualitätsurteile und Bemerkungen
• Als Pflege getarnte sexuelle Grenzüberschreitungen
• Als "Aufklärung" getarnte sexuelle Übergriffe
• "Aufklärung" unter Einbeziehung von Pornographie und pädophilenfreundlichen Aufklärungsbüchern
• Sexuelle Grenzverletzungen bei sportlichen Aktivitäten

Die Wahrnehmung der Umwelt vernebeln

• Sich mit den Eltern des Kindes anfreunden und einen guten Eindruck machen.
• Über Hilfeleistungen und finanzielle Unterstützung Abhängigkeiten schaffen.
• Sich als engagierter Kinderfreund oder sogar Kinderschützer darstellen. Insbesondere bei Tätern aus pädagogischen Arbeitsfeldern ist auffällig, dass nicht wenige von ihnen als besonders engagiert und kinderlieb gelten.
• Sich durch gesellschaftliches Engagement einen guten Namen machen.

Ein Opfer berichtet: " Und dann wurde mir immer schlecht, wenn Vater - er war ein angesehner Mann - in aller Öffentlichkeit, z.B. am Totensonntag beim Ehrenmal, den Lobsang auf die Familie anstimmte. Von wegen Schutz, Liebe und Geborgenheit. Zu Hause war alles vergessen. Da wurde aus dem angesehen Festredner ein Teufel, dem ich als angeblichen Beweis familialer Liebe "Liebesdienste" zu erweisen hatte, fernab von aller Öffentlichkeit (Katharina, 33 Jahre zit. n. Enders 1995a, 43)

Die Verführung des Opfers

Missbrauchende (Stief)-Väter und Mütter brauchen in vielen Fällen keine besonderen Verführungstricks anzuwenden, um sich ihre Opfer gefügig zu machen, denn diese sind existenziell abhängig von ihnen (Enders 1995d). Doch auch verwandte Täter und Täterinnen verwickeln die Opfer ebenso wie missbrauchende Personen aus dem sozialen Nahbereich oftmals über Verführung in eine Allianz der Geheimhaltung. Diese bauen sie meist Schritt für Schritt auf. "Die Verführung des Opfers wird derart geschickt inszeniert, dass die Opfer glauben, sie selbst hätten den aktiven Part." (Enders, 2001, S. 76).

Täter und Täterinnen verführen z.B. durch:

• "Überredung" (dem Kind einreden, sie/er würde es doch auch wollen oder die sexuellen Handlungen seien wichtig für den Fortbestand der Beziehung oder das würden doch alle Väter so machen und das sei normal.)
• Emotionale Zuwendung (" Wir unternahmen Campingausflüge, gingen gemeinsam einkaufen, erledigten unsere Pflichten gemeinsam, besuchten meine Familie und meine Freunde, ich nahm sie mit zu Veranstaltungen, ging mit ihnen zu Versammlungen, zu Bewerbungsgesprächen, Sportereignissen, Konzerten, Arztterminen ..." (zit. n. Alice Vachs 1995, 293) "Wenn ich mir meine Geschichte anschaue, dann habe ich das Gefühl, eines der größten Gefährdungspotentiale ist es, dieses ungeliebte Kind zu sein... nach Anerkennung und Liebe sich zu sehnen, nach Wärme und Geborgenheit, die die einem natürlich überhaupt nicht geben, aber die einem vorgaukeln, das zu geben, und die einem vorgaukeln, das ist Liebe und das ist Nähe und das ist Zuwendung. Und dabei instrumentalisieren sie dich bis zum Erbrechen." (Rebecca, 27 zitiert nach Heiliger, 2000, S. 160)
• Geschenke
• Bevorzugung
• Hofieren (Kind wie einen/eine Erwachsene/n behandeln)
• kindliches Mitgefühl wecken (z.B. "Meine Frau ist so kalt, nur du verstehst mich." oder der Täter berichtet über seine schwierige Kindheit )

Tatort und Zeitpunkt wählen

Täter/Täterinnen kennen in der Regel den Tagesablauf von Mädchen und Jungen sehr genau. Insbesondere für Täter aus der Familie bedarf es keiner besonderen Mühe, einen Tatort und Zeitpunkt zu wählen, in der sie unbeobachtet ein Kind missbrauchen können. (z.B. während des wöchentlichen Gymnastikkurses der Mutter). Oftmals geschieht das Verbrechen innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne - wenige Minuten - , so dass die Umwelt sich nicht vorstellen kann, dass "so etwas" überhaupt möglich war. Täter/Täterinnen inszenieren jedoch sehr geschickt Zeitabläufe und verändern in einzelnen Fällen sogar örtliche Gegebenheiten, damit sie noch "ungestörter" Mädchen und Jungen sexuell ausbeuten können.

Die Wahrnehmung des Opfers vernebeln

• Verwirrung (Kind kann auf Grund seinen Alters und/oder Unaufgeklärtheit die sexuellen Handlungen nicht einordnen)
• gezieltes Lügen "Das machen alle Väter so!"
• Missbrauch als Strafe darstellen
• Missbrauch als Strafe Gottes darstellen
• Drogen, Alkohol, Tabletten und Hypnose

Dem Opfer ein Redeverbot auferlegen

• Den Missbrauch zum "gemeinsamen Geheimnis" erklären
• Dem Opfer eine aktive Beteiligung einreden

"Aus der vom Täter (Täterin) initiierten Geheimhaltung resultieren Scham - und Schuldgefühle der Opfer. Mädchen und Jungen fühlen sich mitverantwortlich und können deshalb die ihnen zugefügten Verbrechen nur schwerlich aufdecken." (Enders, 2001, S. 85)

Gerade junge Kinder erleben die Welt der Eltern (Erwachsenen) als die welche, die immer stimmt und nicht in Frage gestellt werden muss. Was die Eltern sagen ist immer und in jedem Fall richtig. Wenn ein solcher Elternteil einen sexuellen Übergriff auf ein Kind macht, nimmt das Kind diesen als "richtig" wahr. Wenn das Kind sich dabei schlecht fühlt, nimmt es sich selbst als "nicht-richtig" / "nicht-normal" wahr. Wird dann noch ein Sprech- und Redeverbot an das Kind herangetragen, wird dem Kind jeglicher Ausweg aus dem Dilemma verbaut. Das Schweigen der Kinder ist somit gesichert. (vgl. Kraemer. 2003, S. 50)

Das Opfer erpressen

• Erpressung mit angeblichen Fehlverhalten des Opfers
• Erpressung mit Krankheit (Ein asthmakranker Großvater erklärte seiner Enkeltochter, dass sie die einzige Medizin gegen sein Leiden sei)
• Erpressung mit der Liebe des Kindes zu seiner Vertrauensperson
In der Beratungsstelle von Zartbitter Köln wird immer wieder deutlich, dass viele Opfer sexueller Gewalt sich aus Liebe zu den Eltern sich diesen nicht anvertrauen können. Betroffene Mädchen und Jungen wissen/spüren sehr genau, dass eine Aufdeckung der sexuellen Ausbeutung die Eltern belasten würde - diese Sorgen wollen sie ihnen ersparen. So ist es eine klassische Täterstrategie, die Kinder mit eben dieser Liebe zu ihren Müttern und Vätern zu erpressen: "Wenn Mama das erfährt, wird sie krank ... hat sie dich nicht mehr lieb!"
• Erpressung mit Spielzeug, Vergünstigungen und Erfüllung grundlegender Bedürfnisse des Kindes

Drohungen und körperliche Gewalt

• Androhung von Folgen für das Opfer "Wenn du gegen mich aussagst, schneidest du dich ins eigene Fleisch. Man wird dich für sittlich verdorben halten und dich ins Erziehungsheim einweisen."
• Androhung von Folgen für den Täter/die Täterin ("Wenn das rauskommt, muss Papa ins Gefängnis und Du kommst ins Heim!")
• Nicht selten ist auch, dass der Täter/die Täterin des öfteren gezielt mit Selbstmord drohen und dem Kind damit ungeheure Schuldgefühle einpflanzen, um das Schweigegebot aufrechterhalten zu können
• Androhung von Folgen für die Beziehung zur Mutter/zum Vater

Die Arbeit von Zartbitter Köln zeigt, dass sich insbesondere bei sexualisierter Gewalt gegen kleine Kinder viele Drohungen gegen die Eltern des Kindes richten: "Wenn du darüber sprichst, bringe ich deine Mama/deinen Papa um ..., zünde ich euer Haus an ..., töte ich dein Haustier ...!" (Enders 1995d) Nicht selten ist auch die Drohung, dass die jüngere Schwester missbraucht wird, wenn das ältere Kind nicht mitmacht!

• Androhung von Gewalt gegen Vertrauenspersonen des Kindes
• Psychiatrisierung des Opfers (einflussreiche Möglichkeiten und Folgeschäden des Opfers werden genutzt, um eine Einweisung in die psychiatrische Klinik zu erreichen)
• Mehrere Mädchen und Jungen gleichzeitig in Missbrauchshandlungen verwickeln Immer wieder berichten kindliche Opfer sexueller Gewalt darüber, dass erwachsene Täter/Täterinnen und ältere Jugendliche sie zwangen, sich gegenseitig sexuelle Gewalt zuzufügen. Die betroffenen Mädchen und Jungen schweigen anschließend aus Scham über die "eigenen Taten" oder um sich selbst bzw. ihre Freunde und Freundinnen nicht zu "verraten".
• Druck und Drohungen über andere Kinder und Jugendliche
• Gewalt gegen das Opfer
Der Mitarbeiter einer Kindestagesstätte hielt z.B. die Kinder über einen Topf mit kochendem Wasser
• Tötungsdelikte an anderen Mädchen und Jungen (ritueller Missbrauch in Sekten, "snuff-pornos")

Quelle für weite Teile des obigen Textes (siehe dazu auch Vorbemerkung!):
Enders, U.: Die Strategien der Täter und die Verantwortung von uns Erwachsenen für den Schutz von Mädchen und Jungen In: Höfling,/ Drewes / Epple-Waigel (Hrsg.) 1999: Auftrag Prävention - Offensive gegen sexuellen Kindesmissbrauch. Atweb-Verlag, S. 180-190.

Das Opfer isolieren und kontrollieren

"Systematisch isolieren Täter (Täterinnen) die Opfer und deren Bezugspersonen, damit das Mädchen/der Junge sich diesen nicht anvertrauen kann. Viele missbrauchende Väter (Mütter) lassen es z.B. nicht zu, dass ihre Tochter/ihr Sohn alleine zum Arzt/zur Ärztin geht. Sie bestehen darauf, bei der Untersuchung mit im Raum zu sein, um auf diese Weise Verdachtsmomente des Mediziners/der Medizinerin zerstreuen und kontrollieren zu können, was die Tochter/der Sohn sagt.(...) Deutlich wird die von Tätern (Täterinnen) inszenierte Spaltung vor allem bei innerfamilalem sexuellen Missbrauch. Häufig wird die Beziehung zum anderen Elternteil zunächst durch Intrigen absichtlich geschwächt, die u.a. daraus resultierende, weniger enge Beziehung zur Mutter (zum Vater) ausgenutzt. Auch Kontakte zu Gleichaltrigen (Freunde und Geschwister) versucht der Täter (die Täterin) fast immer zu beeinträchtigen. Freundinnen und Freunde des Opfers werden z.B. schlecht gemacht. Väter wachen möglicherweise über ihre Töchter und inszenieren Eifersuchtsdramen, wenn sich ein Junge für das Mädchen interessiert, oder sie spielen die Rolle des treusorgenden Familienvaters, der in Sorge um das Mädchen/den Jungen auf die Einhaltung strenger Regeln achtet (Pünktlichkeit, Ordnung, Familienausflüge etc.). So halten sie Kinder und Jugendliche in mehr oder weniger 'goldenen Käfigen' gefangen." (Enders, 2001, S. 83)

Täterstrategien vor Gericht oder bei Konfrontation mit der Tat

"Wenn der sexuelle Missbrauch aufgedeckt wird und die Strategien des Täters nicht mehr den Zugang zum Kind und die Verdeckung der Tat sichern können, setzt er sie ein, um für die Tat nicht zur Verantwortung gezogen zu werden. Nun charakterisieren Unglaubwürdigmachen des Opfers, Selbstentlastung, Verharmlosung, Schuldzuweisung an das Opfer oder an verschiedene Umstände, Verdrehung der Tatsachen und das Einfordern von Mitleid und Verständnis die Wende in der Täterstrategie.

Die Auswertung einer Gerichtsakte durch Anita Heiliger, zeigt die Täterstrategien vor Gericht, die auch in anderen Fällen mehr oder weniger sichtbar sind (Heiliger, 2000, S. 146+147):

• Das Kind unglaubwürdig machen ("Das Kind hat schon immer gelogen!" und "Sie ist auch seit ihrer Kindheit nerven- und geisteskrank!")
• Der Täter als Opfer (Schuldzuweisung auf das Kind, Kind als "Verführerin")
• Der fürsorgliche Vater ("Ich denke Tag und Nacht an meine Kinder... wenn sie so gelitten und gearbeitet hätten wie ich, Kinder und Wohnung versorgt etc., dann würden sie mich verstehen...")
• Bedrohung der Behörden ("Die Behörden selbst verstoßen gegen Menschenrechte...das ist Freiheitsberaubung...ich werde eine Anzeige machen...")
• Anspruch auf Bestimmungsmacht in der Familie ("Meine Sache ist eine ausgesprochene Familienangelegenheit und sollte auch innerhalb der Familie geklärt werden...")
• Der "brave Bürger" ("Ich bin ein ehrlicher Mensch und einer, der fest arbeitet...ich bin ein Ehrenmann...habe stets gearbeitet und war anständig...")
• Die Opfererpressung (Ausgewerteter Fall: In einem Brief an seine Tochter versuchte er, sie dazu zu bringen, die Anzeige zurückzuziehen und sie mit Drohungen und Schuldzuweisungen zu erpressen.)

"Wenn Täter mit ihrer 'schweren Kindheit' argumentieren, muss beachtet werden, dass '... viel dafür [spricht], dass ein großer Teil der Pädophilen (zwei Drittel), die behaupten, als Kinder sexuell viktimisiert worden zu sein, diese (falsche) Beschuldigung aufstellen, um ihre Tat besser entschuldigen zu können, und um eine mildere Beurteilung zu erfahren." (Scheider, H-J.: "Sexueller Missbrauch an Kindern. Neue Kriminologische und Viktimonologische Erkenntnisse", S. 458-469 In: Kriminalstatistik 7/97 zitiert nach Masur, 1998, S. 138)

"Kindervergewaltiger wirken deshalb oft authentisch, wenn sie 'Unschuld beteuern', weil sie sich - ihren Wertmaßstäben entsprechend - tatsächlich nicht schuldig fühlen." (Masur, 1998. S. 296)

"Beim Aufkommen eines Verdachts können viele Täter (Täterinnen) diesen oftmals aufgrund ihres guten Rufes im Keim ersticken. In ihrem Bekannten- und Kollegenkreis haben sie häufig zahlreiche 'Schutzengel', die für sie 'die Hand ins Feuer legen'. Als 'Künstler der Manipulation' haben Täter (Täterinnen) die Fähigkeit entwickelt, Menschen täuschen zu können." (Eldrige 1999: 139 zitiert nach Enders, 2001, S. 70)

"Edward Brongersma, ein international bekannter Vertreter der Pädosexuellenbewegung, zeigt auf, dass Alkoholkonsum dazu diene, nachträglich die eigenen Handlungen zu entschuldigen (vgl. Brongersma 1991: 265). Eine Taktik, mit der viele Täter Gerichte zu einer Reduzierung des Strafmaßes zu überreden versuchen." (Enders, 2001, S. 82)

"Er (der Täter) zielt darauf ab, das Kind, verkleidet in scheinbare Liebeszuwendungen, durch die sexualisierten Berührungen selbst zu Lustgefühlen zu bringen, um damit eine Abhängigkeit zu erzeugen, die das Kind nicht überblicken kann. Auf diese Weise schafft der Täter die Basis für Schuldgefühle, die Berührungen ja genossen zu und daher kein Recht auf Abwehr und Hilfe von außen zu haben. Die Überzeugung, es sei selbst schuld, denn es habe die Berührungen provoziert, ist das Ziel dieser Annäherung, um die Basis der Duldung von Eskalationen des sexuelle Missbrauchs und die Einforderung der Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse des Täters zu legen. Das Argument, das häufig in Gerichtsverfahren auftaucht, der Täter habe ja keine Gewalt ausgeübt und dem Kind sei daher kein Schaden zugefügt worden, lässt die Strategien des Täters, das Kind für sich verfügbar zu machen, voll aufgehen." (Heiliger, 2000, S. 162)

Schlussbemerkung

Die aufgezeigten Täterstrategien zeigen sehr deutlich, dass diese Menschen sehr bewusst und mit viel Raffinesse vorgehen. Gerade auch das Rechtssystem muss sich mit diesen vielschichtigen Strategien auseinandersetzen, um nicht getäuscht zu werden. Das selbe gilt natürlich für alle Menschen im Alltag, deren Wahrnehmung geschickt durch die Täter und Täterinnen manipuliert wird. Letztlich ziehen sich diese Strategien auch bis in die Tätertherapie fort. TherapeutInnen werden geschickt um den Finger gewickelt und manipuliert. Der holländische Tätertherapeut Ruud Bullens nennt die Täter "Meister der Manipulation", die auch den TherapeutInnen "einen Ring durch die Nase ziehen", weshalb er nur mit Gruppen und im Team mit drei TherapeutInnen (zwei Männer und eine Frau) arbeitet, denn "einer allein könnte dem Täter zu leicht auf den Leim gehen" (vgl. Heiliger, 2000, S, 189). Vor diesem Hintergrund sind auch die auf dieser Homepage genannten Forderungen nicht als all zu radikal zu betrachten, sondern als ein Weg, die Täter und Täterinnen zu stoppen!

Empfehlenswerte Literatur zum Thema:

Heiliger, A. 2000: Täterstrategien und Prävention - Sexueller Missbrauch an Mädchen innerhalb familialer und familienähnlicher Strukturen. Verlag Frauenoffensive, München.

Höfling,/ Drewes / Epple-Waigel (Hrsg.) 1999: Auftrag Prävention - Offensive gegen sexuellen Kindesmissbrauch. Atweb-Verlag

Jäckel, K. 1996: Wer sind die Täter? Die andere Seite des Kindesmissbrauchs, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München.

Quelle: www.aktiv-gegen-sexuelle-gewalt.de


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