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Missbrauch bei Menschen mit Behinderung
In den letzen zwei Jahrzehnten ist viel Material zum Thema sexueller Missbrauch
veröffentlicht und zugänglich gemacht worden. Jedoch wird hier im Vordergrund größten Teils vom Ausmaß und der Häufigkeit sexueller Gewalt an nicht behinderten Kindern und Jugendlichen berichtet.
Dieses Bild muss korrigiert werden, da sexueller Missbrauch sich nicht nur auf Nichtbehinderte beschränkt, sondern es betrifft auch in sehr vielen Fällen Menschen mit Behinderungen.

Auch sexueller Missbrauch an Menschen mit geistiger Behinderung ist nicht erst ein Problem der letzten Jahre, seit Mitte der 90er Jahre steht auch der Missbrauch an Menschen mit geistiger Behinderung vermehrt zur Diskussion.

Über behinderte Menschen als Opfer wird weniger gesprochen oder berichtet, darum wird es Zeit sich diesem Thema zu widmen. Behinderte Menschen werden weniger anerkannt als Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt, weil die allgemeine Vorstellung der Gesellschaft darin besteht, dass behinderte Menschen unattraktive, geschlechtslose, sexuell neutrale Wesen seien. Es erscheint unfassbar, dass ein Mensch mit Behinderung Opfer von sexueller Gewalt sein kann.
Wobei man dabei aber außer acht lässt, dass die Häufigkeit der betroffenen weiblichen behinderten Opfer, sich gegen den nicht behinderten Opfern ungefähr verdoppeln.
Behinderte Menschen haben sehr häufig mit Personen zu tun, von denen sie sowohl emotional als auch pflegerisch in einem hohen Maße abhängig sind. Wenn Ohnmacht und Hilflosigkeit der abhängigen behinderten Personen ausgenutzt und ihre Intimsphäre verletzt wird, dann liegt sexuelle Ausbeutung vor. Diese Verletzung kann durch direkte Gewalteinwirkung sowie auf verbaler Ebene verursacht werden.

Fakten und Studien

Studien aus den USA, später auch in Deutschland, belegen, dass die Zahlen bei sexueller Gewalt Behinderter zwischen 4% und 14% liegen, womit geistig behinderte Kinder überrepräsentiert sind. Des weiteren stellte sich heraus, dass im Unterschied zur sexuellen Gewalt gegen Nichtbehinderte, bei behinderten Kindern, der Anteil der Frauen als Täterinnen größer ist.

Eine Studie von Aiha Zemp ergab, dass eben so wie bei nichtbehinderten Menschen, auch bei sexueller Gewalt gegenüber behinderten Menschen in erster Linie Mädchen und Frauen Betroffen sind.

Prävalenzraten für verschiedene Behinderungsformen:

• Geistig behinderte: 57,0%
• Körperlich behinderte: 23,0%
• Mehrfachbehinderte: 12,0%
• lernbehinderte : 6,6%

Die Tatorte und die meisten Übergriffe sexueller Gewalt gegenüber Menschen mit Behinderungen finden meistens innerhalb der Wohneinrichtungen der Betroffenen statt. Aber auch außerhalb von Einrichtungen, zu Hause und am Arbeitsplatz ist der Anteil sehr hoch. Ähnlich wie bei nichtbehinderten Menschen, sind auch bei behinderten Menschen vorwiegend bekannte Personen die Täter. Auffallend ist auch, dass selbst von Mitbewohnern der Wohneinrichtungen Übergriffe ausgehen. In einer Studie fand man auch heraus, dass der sexuelle Missbrauch bei behinderten Menschen meist längerfristig dauert, als bei nichtbehinderten Menschen. Als Fazit der Untersuchungen kann man davon ausgehen, dass sexuelle Gewalt gegenüber behinderten Menschen in erhöhtem Maße Realität ist und geistig behinderte Menschen zwei bis dreimal mehr Opfer sexualisierter Gewalt werden als nicht behinderte Menschen.

Tabuisierung "behinderter" Sexualität

Behinderte Menschen werden in der Gesellschaft noch allzu oft als geschlechtsneutral gesehen, als geschlechtslose Wesen behandelt. Damit wird dem behinderten Menschen das Recht auf eigene Sexualität verweigert, somit können sie auch nie sexuell missbraucht werden. Daraus ergibt sich für Menschen mit Behinderung ein nicht zu durchbrechender Kreislauf Es ist notwendig, behinderten Menschen eine eigene Sexualität zuzugestehen und dieser eine positive Einstellung gegenüber zu bringen. Ein Nichtanerkennen ihrer Sexualität verhindert, dass behinderte Menschen ein positives Körpergefühl entwickeln können, sie trauen ihren eigenen Gefühlen nicht und übernehmen die Bilder und Klischees, die ihnen von außen übermittelt werden. Dadurch ordnen sie sich unter und werden schließlich zu Opfern sexueller Gewalt.

Das setzt bei den potenziellen Tätern Hemmschwellen herab, werden zu Legitimation des sexuellen Missbrauchs und führen bei den anderen Personen dazu, dass den Opfern nicht geglaubt wird. Es kommt dadurch selten zu Gerichtsverhandlungen, da die Staatsanwaltschaft das Verfahren, aus den oben genannten Gründen, bereits einstellt.

Glaubwürdigkeit:

Die Glaubwürdigkeit vor Gericht:

Wie schon angedeutet, wird Menschen mit Behinderung oftmals nicht geglaubt, wenn sie über Misshandlungen berichten. Wenn aber doch, kommen diese Handlungen, durch falsche Solidarität der Mitarbeiter untereinander, nicht zur Anzeige. Kommt es dennoch zu einer Verhandlung, wird in der Regel ein Glaubwürdigkeitsgutachten erstellt, welches allzu oft gegen das eigentliche Opfer spricht. Die Behinderung des Opfers wird dem Täter zugute gehalten. Rechtlich gesehen ist der § 179 StGB für Menschen mit Behinderungen belangreich, der den sexuellen Missbrauch widerstandsunfähiger unter Strafe stellt. Der Begriff Widerstandsunfähigkeit wird in der Rechtssprechung allerdings äußerst eng ausgelegt. Als geistig widerstandsunfähig gilt, wer keinen Widerstandswillen entwickeln kann. Die Lebenssituation vieler behinderter Menschen wird diese Interpretation jedoch überhaupt nicht gerecht.

Individuelle Ebene:

Behinderte Menschen erfahren schon von Geburt an, dass Eingriffe an ihrem Körper gemacht werden, durch ständiges Begutachten, Betasten und Anfassen des Körpers durch Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal. Das erschwert, zwischen angemessenem Verhalten und sexuellem Übergriffen, zu unterscheiden.
Zur individuellen Ebene gehört in erster Linie die Sexualerziehung, das Nein sagen, das Holen von Hilfe und das Erkennen von Grenzen, sowie die Vermittlung von Selbstwertgefühl und Selbstbestimmung. Dadurch gewinnen die behinderten Menschen auch mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Selbstachtung und Selbstvertrauen kann durch behindertenspezifische Selbstverteidigungskurse vermittelt werden, die inzwischen auch schon angeboten werden. Dort wird auch das Körpergefühl und Körperbewusstsein gefördert und Widerstandsformen bei sexuellen Übergriffen vermittelt.

Institutionelle Ebene:

Auf institutioneller Ebene müssen Wohnkonzepte überdacht und den Wünschen der Bewohner angepasst werden. Eine Abwendung von ausgesonderter Unterbringung behinderter Menschen hin zu normalen Wohnformen mit persönlicher Assistenz, für Menschen mit hohem Bedarf an alltäglichen Hilfen. Dabei sollte die betroffene Person möglichst selbst entscheiden können, wer sie pflegt und betreuen soll. Bei sexuellen Übergriffen kann dieser Person von dem Behinderten die Kündigung ausgesprochen werden.

Aussichten:

Sexueller Missbrauch an Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung ist kein marginales Problem, sondern ein Problem mit größerem Ausmaß, welches viele Bereiche unserer Gesellschaft betreffen. Auf der einen Seite werden behinderte Menschen ganz und gar übersehen, auf der anderen Seite, wenn man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, steht die Behinderung im Vordergrund und nicht ihre Persönlichkeit. Die Gesellschaft hat die ethische Verpflichtung denen zu helfen, die sich selber nicht helfen können und diejenigen zu unterstützen, die Hilfe anbieten.
Die Gesellschaft muss mobilisiert werden in Bereichen, die sich mit behinderten Menschen beschäftigen, sowie deren Erziehung, Therapie und Rehabilitation. Das Thema sexueller Missbrauch darf nicht verdrängt werden, schon gar nicht sexueller Missbrauch an Menschen mit Behinderungen.

Quelle: www.mb-opfer.info


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